Übungen

21. Februar: Lichtstimmung im Sonnenuntergang

Sonnenuntergang am Lake Tekapo.

Diesmal habe ich eine Vorlage aus meiner Zeit in Neuseeland gewählt: die Berge (Two Thumbs Range) entlang des Lake Tekapo auf der Südinsel leuchten teils im goldenen Sonnenuntergang, teils werden dunkle Wolkenschatten auf sie geworfen. Möglich ist dies durch ein Wetterphänomen, das es nur auf der Südinsel Neuseelands gibt – den sogenannten Nor’wester. Bei dieser Wetterlage bilden die Wolken einen Bogen, unter dem klarer Himmel zu sehen ist. Geht die Sonne unter, so strahlt sie unterhalb der Wolken noch hell, darüber ist es quasi schon Nacht. Wichtig ist es bei diesem Motiv, den Himmel und den Vordergrund so dunkel zu setzen, dass klar wird, dass es fast Nacht ist.

Ich habe zuerst den Himmel gemalt, und zwar nass-in-nass. Weil der Himmel nach dem ersten Farbauftrag noch nicht intensiv genug war, habe ich (später) einen zweiten mit gleicher Technik aufgetragen. Die dunklen Berge ganz rechts habe ich zuerst als Himmel angelegt. Da das Licht von links knapp oberhalb des Horizonts kommt, ist es dort am hellsten. In diesem Bereich befindet sich sehr wenig Farbe auf dem Blatt, das heißt mein Pinsel hat in diesem Bereich immer nur Wasser enthalten und kaum Pigment. Als nächstes habe ich das Wasser gemalt; dafür habe ich drei verschiedene Blautöne verwendet (mal in den einen Napf, mal in den anderen). Da hat eine Lasur gereicht. Der Vordergrund musste relativ dunkel werden und doch sollte erkennbar sein, dass die Ursprungsfarben eigentlich helle sind. Also habe ich ein gelbstichiges Grau angemischt – mit einem Primärblau, einem Primärrot und einem Primärgelb – und erst einmal aufgetragen. (Das wollte ich, aber leider sind mir die Wege sozusagen „rausgerutscht“; erst, als sie trocken waren, habe ich diese Schicht flächig aufgetragen.) Für die Berge habe ich dann einen warmen, aber nicht zu grellen Orangeton gemischt (Gelb und Rot). Die am weitesten entfernten Hügel links sind sehr blass, da habe ich viel Wasser genommen; die Hügel rechts sind näher dran und deswegen intensiver. Die dunklen Berge habe ich jetzt noch dunkler gemalt. Ganz wichtig: das helle Ufer! Das muss unbedingt bleiben und darf nicht zugemalt werden, habe ich mir gesagt. Ich habe es zuerst flächig in einem warmen Gelbton angelegt und Einzelheiten ergänzt, als der trocken war. Der Rest sind Details, die aber immer viel Zeit in Anspruch nehmen. Die Gräser im Vordergrund habe ich mit einem fast trockenen Linierpinsel gearbeitet. Gespritzt habe ich vorn auch ein wenig.

Mir hat das Bild Spaß gemacht! Ich hoffe, Dir geht es auch so!

Sonnenuntergang am Lake Tekapo. 18 x 24 cm.

6. Februar 2019: Farbverlauf im Blumenblatt

Wenn man eine Blume realistisch darstellen will, dann kommt es bei der Zeichnung darauf an, das Typische der Spezies zu erfassen. Beim Schmuckkörbchen (lat. cosmea bipinnata) zum Beispiel sind die Blütenblätter länglich mit einem zerfransten Rand; außerdem gibt es einen gut sichtbaren Abstand zum nächsten Blatt. Die typischste Blütenfarbe für diese Blume ist das kühle Rotviolett, das Zentrum ist goldgelb. Zeichne diese Blume vor und übernehme auch die dünnen Blätter und die geschlossene Blüte rechts unten. Versuche dann, den geeigneten Violett-Ton für die Blüte anzumischen. Ein kühles Rot ist das A & O; Opernrosa ginge vielleicht auch, und Ultramarinblau oder Kobaltblau. Wenn du eine gute Mischung gefunden hast, dann lege dir einen kleinen Vorrat davon an. Dann kann es losgehen! Fange bei den Blütenblättern an. Male jedes Blatt einzeln und relativ nass. Stellen, die in der Vorlage sehr hell sind, kannst du auch weiß lassen. Versuche beim Malen in deinen Farbmix mal etwas mehr von deinem Rot, mal etwas mehr von dem Blau reinzunehmen und die Farbe laufen zu lassen. Wichtig: wenn ein Blütenblatt mit Farbe bedeckt ist – Finger weg und trocknen lassen! Wenn alle Blütenblätter trocken sind, kann das Gelbe in der Mitte gemalt werden, dann der Hintergrund (wobei der hier nicht wichtig ist). Um ein farbenfrohes Ergebnis zu erzielen, ist wahrscheinlich eine zweite Lasur (= Farbschicht) auf den Blütenblättern notwendig. Achte darauf, dass das Wasser für die Pinsel sauber ist und du leuchtende Farben anmischst. – Viel Spaß!

23. Januar 2019: Schnee und Schattenfarben

Wenn du ein Schneemotiv vor dir hast, dann weißt du: Alles, was weiß ist, lasse ich auf meinem Aquarellpapier unberührt, da kommt keine Farbe rauf. Aber Schnee ist nicht immer weiß. In den Schatten weist er viele Blauschattierungen auf. Außerdem reflektiert er die Farben der ihn umgebenden Gegenstände. In dem Foto unten sind nur zwei größere Stellen wirklich weiß: das Dach auf der rechten Seite und der Schneehaufen unten rechts. Alle anderen hellen Stellen sind schon hellblau. Passende Blautöne für so ein Motiv sind Kobaltblau und Ultramarinblau.
Ich werde dieses Bild in Schichten malen. Im ersten Durchgang lege ich einen intensivblauen Himmel an und werde dann zum Vordergrund hin sehr blass. Die Lichtflecken (siehe oben) spare ich aus. Dann trage ich sukzessive Blau- und Graumischungen für die Berge und Bäume auf; die hellen Stellen, die Schnee darstellen sollen, müssen bei den Bäumen dann frei gelassen werden. Aufpassen muss ich bei den Bäumen, dass sie nicht so grün werden. Mit einer dritten Schicht Blau- und Grautönen müssten dann auch die Schatten im Vordergrund farbig genug sein. Die Schattenseite des Daches muss dunkler sein als der umgebende Schnee. Zum Schluss gucke ich, wo ich noch ein paar Dunkelheiten setzen kann, da sie in einem so hellen Bild gute Kontrastpunkte sein können.

Hier ist der Link zum Bild.