Abgewischt! / Wiped!

Das zweite misslungene Bild./ The second failed painting.
Ein misslungenes Bild./ Another failed painting.

(As per usual: first the German version, then the English one.)

In den letzten drei Tagen habe ich die Bilder, die ich gemalt habe, am nächsten Tag wieder abgewischt. Grund: um die Leinwand nicht unnötig zu verschwenden, denn es war mir klar, dass ich diese Bilder nie aufhängen, geschweige denn verkaufen würde. Es sollte sie nicht mal jemand sehen außer mir! Das erste wurde einfach nichts. Statt eines Baches mit einigen dunkeln, einigen hellen Steinen und vielen hellen Lichtreflektionen im Wasser stand ich dann plötzlich vor einem einzigen Murks aus weißlichen, grauen und dunkleren Flecken. Ich konnte wirklich keinen Bach erkennen, obwohl ich ja wusste, dass da einer sein sollte. Also habe ich es abgewischt. Das ist eigentlich ein tolles Gefühl für mich gewesen, so ehrlich und mutig! Statt es mir selbst schön zu reden und zurecht zu biegen. Dass ich jetzt gerade das zweite Bild hintereinander abgewischt habe, ist zwar immer noch eine ehrliche und richtige Sache, erfüllt mich schon aber nicht mehr mit so viel Freude. Warum wird es gerade nichts? Ich denke, beim ersten habe ich an genau dem Punkt aufgegeben, an dem ich auch sonst oft denke ‚oje oje, wie das aussieht – wird das überhaupt was?‘ Und mit ein bisschen Konzentration auf Farb- und -tonwerte und den Farbauftrag klappt es dann oft. Die hatte ich da wohl gerade nicht; es war abends spät und ich war müde. Beim zweiten Bild dachte ich, sobald es in der Wohnung stand (denn ich habe es im Garten gemalt): Was hast du dir dabei bloß gedacht? Total langweilige Bildaufteilung, schlammige Farben, weil ich die, die ganz rein sein müssen, nicht zuerst aufgetragen habe (Tipp von Carol Marine), und der Fokus ist nicht klar. Ich war einfach rausgelaufen, habe alles aufgebaut und habe losgelegt. Ohne großartig nachzudenken. Klar, in der Spätsommersonne draußen malen ist schön, aber das reicht halt nicht. Worum ging es mir eigentlich bei dem Motiv? Die interessantesten Aspekte für mich waren der Licht-Schatten-Kontrast auf dem Schuppen und die wunderschönen Schattenformen der Kapuzinerkresse auf dem Holz. Darauf hätte ich mich konzentrieren sollen! Sprich: kleinerer Bildausschnitt vom Original. Seufz. Nun gut, ich habe ja wieder eine leere Leinwand, auf der ich einen neuen Versuch starten kann! 🙂

The last two paintings I did I wiped the next morning so as to not waste a perfectly good canvas on a flawed or boring painting not even I would want to see, let sell or alone show to others. The first one simply didn’t work out as planned. Instead of a wee stream with a mixture or lit-up and shaded rocks and lots of sunlight on the water my painting looked like an abstract version of white meets grey and black. There was no stream to be made out amongst the blobs, not even if you knew that it was supposed to be there, that’s how bad it was. So I wiped it. I actually enjoyed that part because I felt honest (to myself – it was rubbish) and brave at the same time. I could have tried to convince myself that it was truly great or had potential or whatever, i.e. the stuff I often do but I didn’t. Having wiped the second painting just now, however, I don’t feel as good. Sure, it was the right and honest decision  to do that, but two in a row? What’s going on? Why do I mess it up right now? Here are my reflections on that: With the first one I think I gave up right at the point when I often think ‚oh dear, I don’t like the look of this – will it work out?‘ And then I usually concentrate real hard on colour, value and brush work, and that does the trick. I suppose I couldn’t bring that sort of concentration to the task with the first failed painting: it was late at night and I was very tired. With the second one which you can see above I thought as soon as I had brought it inside (for I painted in our allotment behind the house): What where you thinking? Very dull composition, muddy colours because I didn’t put down the most vulnerable ones first (which is one of Carole Marine’s great painting tipps), and unclear focus area. Why? Because I had simply run outside, put up the easel and started working. It was great of course to be able to do that this late in the season and I enjoyed painting outdoors again. But that’s hardly good enough. The things that had drawn me to paint out little shed were the strong light contrast and the wonderful shadow shapes of the nasturtiums on the wood. And if I had’ve thought about it for a moment I would’ve focused on only this as the subject. Sigh. Och well, I have an empty canvas again on which I can try afresh tomorrow 🙂

 

Abgewischt! / Wiped!
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2 Gedanken zu „Abgewischt! / Wiped!

  • 8. September 2015 um 19:55
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    hey antje. thanks for the honest and revelatory transparency and including the process of painting in your blog! i still love your work! 🙂

    Antworten
    • 9. September 2015 um 5:34
      Permalink

      Phew 🙂 Thank you, Katy, I really appreciate that. I learn so much from people who are transparent about their learning processes all the time; there is nothing better for holistic growth.

      Antworten

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