Tägliches Malen ist tägliche Arbeit

Ja, so ist das: wer jeden Tag eine Stunde zusätzlich zu allem anderen malt, der arbeitet eine Stunde zusätzlich. Ist so. Das habe ich jetzt festgestellt, als ich zwei Tage komplett neben der Spur war wegen eines Magen-Darm-Infekts, den ich vom Lütten bekommen habe. Da ging echt wenig und an Malen war gar nicht zu denken.

Ich konnte mich schon auf Dinge konzentrieren, so ist es nicht. Geschichten konnte ich vorlesen, Essen zubereiten und mich in Maßen um den Lütten kümmern. Aber das war es dann auch. An Malen aber war nicht zu denken. Bleistift, Pinsel? Bäh. Da hätte ich mich innerlich sammeln und konzentrieren müssen, und das allein erfordert schon einiges. Dann noch das Fokussieren auf das Motiv, das genaue Hinsehen, das Vorüberlegen, wie ich das Motiv umsetze – allein schon die Überlegung „was male ich?“ Das schüttel ich ja nicht aus dem Ärmel und es kriecht mir auch nicht aus jeder Pore, so dass ich gar nicht anders kann, als zu malen. Und dann das Malen selbst – das ging alles gar nicht.

Zur Arbeit wäre ich auch nicht gegangen, also konnte ich auch nicht malen. Heute ging es aber wieder, da habe ich anstelle des Mittagsschlafs ein wenig gemalt, nicht zuviel, gerade richtig.

Zwiebel und Messer (Schachnasarskaja*, Kobaltblau, Lichter Ocker). 18 x 24 cm auf 200 g/m² Fabriano Feinkorn. 2019.

Ich wünschte fast, ich hätte Mittagsschlaf gemacht – nicht, weil ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden bin, sondern weil ich es wichtig finde, Leerlauf zu haben. Das braucht das Hirn, um neue Verschnapselungen zwischen Synapsen hinzubasteln (das war jetzt alles Fachjargon ;)), und nur so kann man kreativ bleiben. Und ich brauche es als Mensch auch. Wenn ich immer nach Plan funktioniere, und das muss ich als Mutter eines Kleinkindes ja sowieso ganz oft, aber wenn es dann gar keine Freiräume mehr gibt, dann gibt es auch keine Überraschungen und nichts Spontanes mehr. Und von beidem hatte ich in den letzten Wochen entschieden zu wenig! Ideen hatte ich zwar schon noch, ich war jetzt von der Kreativität her nicht ausgelaugt, aber mein Körper hat mir doch deutliche Signale gesendet. Und die Freiheit habe ich ja zum Glück als Freischaffende, auf die Signale dann auch einzugehen.


*Anstelle von Sienna gebrannt; herrliches Pigment in der Tube von White Nights. Aber leider auch die allererste Aquarellfarbe in Benutzung bei mir, die stinkt. Wirklich ungewöhnlich, aber wahr!

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