Freiraum für mich

Ich möchte dieses Wochenthema damit beenden, ein wenig über das tägliche Malen im Monat November nachzudenken.

Ich male seit Anfang November zusammen mit ein paar Anderen jeden Tag. Ganz idealistisch könnte man vermuten, dass das heißt „ich entspanne mich jeden Tag beim Malen“. Entspannend ist Malen nur, glaube ich, wenn man es ganz selten macht und wenn man dann auch nicht großartig was vor hat mit dem Malen, wenn man kein Ziel erreichen, sondern einfach nur ein wenig den Pinsel hin- und herbewegen will. Das trifft ja nun bei mir beides nicht zu. Malen ist deswegen für mich schon auch Arbeit, wie ich neulich schon mal beschrieben habe. Ich halte das jetzt gerade ein wenig im Zaum, soll heißen: ich tobe da nicht stundenlang jeden Tag rum und bemale große Bögen. So schlimm ist es auch nicht. Ich muss die anderthalb oder zwei Stunden, die ich für ein kleines Bild brauche, aber auch mit in meinen Tagesablauf einkalkulieren.

Skizze von gestern.

Am Anfang war ich sehr enthusiastisch und habe jeden Tag süße Mini-Skizzen gemacht. Zeitökonomisch betrachtet war das prima. Nur hat mich das nicht so befriedigt. Denn das kleine Format ist nicht mehr so meins, also jedenfalls nicht für farbige Sachen. Dann wurden die Skizzen langsam größer, wurden zu Bildern. Das Thema ‚Zeit‘, wofür ich Zeit habe und wofür nicht, was eigentlich meine Prioritäten sind und dergleichen, hat sich mehr und mehr aufgedrängt. Dann wurde ich krank und konnte gar nichts mehr machen. Nachdenken ging auch nicht, nur schlafen und ein bisschen war mit dem Lütten machen. Das hat die Wichtigkeit dieser Fragen nur noch geschärft. Wenn ich nur ganz ganz wenig Energie hätte, wofür würde ich die aufwenden wollen?

Der Austausch mit den Anderen über die Bilder, die jeder malt, war von Anfang an phänomenal. Ich genieße das ungemein und profitiere auch sehr davon. An einigen Stellen merkte ich richtig, wie ich getragen wurde von der liebevollen Gruppe und ihrem ernsthaften Interesse am Aquarell. Ich pinsele ja meistens allein für mich dahin und tausche mich nicht so mit anderen AquarellmalerInnen aus. Das ist ok für mich, das bin ich so gewohnt. Aber genau das brauchte ich diesen Monat nicht so viel machen. Ich war gar nicht mehr allein! Das ist ein wunderbares Gefühl. In anderen Momenten konnte ich einfach nicht so viel Aufmerksamkeit in den Austausch stecken wie ich glaubte zu müssen. Das Handy summte häufiger als mir lieb war. Druck zum Malen habe ich nie empfunden, aber Druck zum Chatten schon. Dass das Chatten Zeit in Anspruch nehmen wird, hatte ich vorher freilich gar nicht auf dem Schirm gehabt. Jetzt, zum Ende hin, habe ich da auch einen Weg und meinen Frieden gefunden.

Skizze von heute.

Irgendwie bin ich in einen guten Flow reingeraten durch das tägliche Malen, und das will ich natürlich gern beibehalten. Aber ich will im Dezember auf jeden Fall auch erstmal ein wenig frei haben. Die Pinsel einfach mal liegen lasse – kann ich das überhaupt? Das wäre es doch mal. Auf jeden Fall möchte ich raus spazieren gehen, ins Museum gehen, mich treiben lassen – einfach all die Dinge tun, die ich in den Beiträgen dieser Woche als kreativitätsfördernd beschrieben habe. Ich möchte mal wieder anders zum Schwingen gebracht werden oder mich selbst in andere Bezüge reinbringen. Mal sehen, wie mir das gelingen wird. Ich werde berichten.

Nächste Woche gibt es keine Emails von mir, denn da mache ich frei! Mach es gut derweil und bis bald!

Freiraum für mich
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3 Gedanken zu „Freiraum für mich

  • 29. November 2019 um 8:24
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    Liebe Antje, gerne verfolge ich deine Kommentare. Heute hast du eine besonders gute Frage gestellt, (wie schon öfters;)), allein aus deinem Erfahrungsschatz dieser Tage heraus.
    Was mache ICH, wenn ich keine Energie habe?“, es ist bereits ein Widerspruch in sich, weil es läuft nur sehr wenig bis gar nichts…Aus meiner Erfahrung kann ich dir erzählen, organisieren ist das Zauberwort Jemand organisieren, der die anfallenden Tätigkeit abarbeitet, mich den Dingen überhaupt stellen, offen sein, will ich am Abend einigermaßen zufrieden im Bettchen liegen. Und wirklich machen?, aus meiner Sicht, die Ruhezeiten verlängern, abschalten, zur Ruhe kommen. Runterfahren sozusagen. Es bedeutet, sich damit anzufreunden, „Hallo“ zu sagen…
    Für mich ist die Aquarellmalerei eine leichte Alternative, um zufriedener zu werden, mich zu finden… dass wäre mein Erguß zu deinem heutigen Post …ich hoffe, du und deine Familie werden nur sehr selten solche Erfahrungen machen, es lebt sich viel besser und freudiger mit Energie, in diesem Sinn, einen energiereichen Tag dir heute, und lass sie raus,, viele Grüße Barbara

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    • 29. November 2019 um 13:53
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      Liebe Barbara, hach ja, Du hast so Recht! Runterfahren ist wichtig und ruhig sein auch. Gerade eben habe ich dazu auch einen kleinen Podcast gehört, wo die Moderatorin meinte: Fürs Faulsein braucht man Mut. Alle reden immer davon, wie busy sie sind und wie sie alles gewuppt haben. Und dann einfach mal nichts zu tun, da gehört schon was dazu! Toll wäre es doch, wenn ich nur dann zufrieden im Bett liegen könnte, wenn ich tagsüber auch mal bewusst lange Leine gelassen und nichts gemacht habe. Das versuche ich nächste Woche, in aller Freiheit (also nicht krampfig). Danke für Deine Anregung, Barbara! Und gute Besserung weiterhin! Liebe Grüße, Antje.

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      • 29. November 2019 um 15:07
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        Danke für dein freundliches Feedback. Unsere deutsche Sprache finde ich so wunderbar vielfältig, deshalb gehe ich sehr vorsichtig damit um, zumindest versuche ich es. Das Wort ‚Faul sein‘ ist allgemein negativ belegt, ich sage liebe Pause machen. Es ist ein Stück ehrlicher finde ich, weil es geht um Pause machen, um Luft holen… ja, in heutiger Zeit ist „busy sein“ so angesagt.
        Finde deine Mitte, sie dient dir selbst und macht zufrieden, das strahlt nach außen, wenn’s gut läuft, ciao

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