Teil 2: Wie ich Künstlerin wurde

Vor ein paar Wochen habe ich einen Beitrag zu meinen Anfängen mit der Malerei vor vielen Jahren geschrieben. In „Meine Anfänge: Vom Pferdemädchen zur Soziologin“ ging ich hauptsächlich der Frage nach – die nach so langer Zeit und dem ganzen Alltag auch für mich interessant war – wann und warum ich eigentlich je den Pinsel in die Hand genommen habe. Dieser Beitrag führt die Geschichte an ihr erzählerisches Ende ins Heute und Jetzt hinein. Ganz unten verlinke ich zu einigen KünstlerInnen, die mich nachhaltig inspiriert haben.

2011 hatte ich meine erste Stelle als Soziologin. Vom daily painting movement habe ich so ungefähr um die Zeit herum erfahren. Kleine Bilder zu malen, jeden Tag, das fand ich toll und das ist seitdem auch mein Ideal. Umgesetzt wird das von vielen Urban Sketchern, also den Leuten, die hauptsächlich in der Stadt in ihren Skizzenbüchern ihren Alltag und was sonst so passiert festhalten. Ich finde den Alltag als Thema einfach super faszinierend. Die Waschmaschine in einem besonderen Licht, die Wäsche draußen auf der Leine, meine Straße, meine Stadt an einer kleinen Ecke, die ich sonst nie beachte, die Vorratsgläser auf dem Regal – je nach Lichteinfall sind das alles prima Motive. Alltagsthemen sind intime Themen, die mich noch einmal ganz anders mit meinem eigenen Leben verknüpfen, das finde ich daran spannend und den Blick dafür habe ich schon seit damals. Hier sind ein paar Alltagsbilder, die das ganz gut illustrieren:

Seit Jahren lese ich die Blogs und Webseiten dieser Leute, die viel und interessant malen. Das ist einfach immer informativ und ich lerne täglich wieder etwas dazu. Meine Inspirationsquellen sind bis heute zumeist englischsprachig; eine Liste steht unter diesem Eintrag. Warum sind da so wenig deutschsprachige KünstlerInnen dabei? Scheitern und Fehler machen ist in den USA und teilweise auch in GB einfach nicht so schlimm wie bei uns und wird gerade unter KünstlerInnen als wichtiger Bestandteil des ganzen Prozesses betrachtet. Deswegen kann man die eigenen Fehler auch thematisieren. Die KünstlerInnen schreiben dann ganz offen darüber oder sprechen in Interviews von ihrer Vorgehensweise. Dieses Unverstellte und Transparente, dieses „das habe ich ausprobiert und das hat nicht geklappt und damit ihr denselben Fehler nicht auch machen müsst, schreibe ich jetzt darüber“ finde ich einfach großartig! Fehler machen ist dann gar nicht mehr so schlimm! Das entspannt so. Das hilft, sich vom Perfektionismus zu verabschieden und die Striche eben einfach mal daneben gehen zu lassen oder die Farben ineinander laufen zu lassen, obwohl sie nicht sollten. Das bringt Leben in ein Bild herein! Diese andere Fehlerkultur habe ich mir angenommen und ich tue mein Bestes , sie in all meinem Reden und Schreiben zu praktizieren.

Das tägliche Zeichnen und/oder Malen im Skizzenbuch hat in mir vor vielen Jahren den Wunsch aufkommen lassen, einfach mehr davon in meinem Leben zu haben, mehr praktisch zu machen, wieder ein Naturmädchen zu werden. Aufgrund der nicht so guten Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft in Deutschland spitzte sich 2016 auch alles auf die Entscheidung, die Wissenschaft zu verlassen, zu. Dazu kam, dass die Familie bei meiner Arbeit stellenweise auf der Strecke blieb. Und deswegen habe ich dann Ende 2016 die Reißleine gezogen – und im November 2017 ist mein Sohn geboren. Ende gut, alles gut! Seitdem ist klar: die Familie steht an erster Stelle. Und dann kommt für mich eigentlich schon gleich die Malerei.

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Mein Sohn James beim Schlafen.

Und wie sieht es da so aus mit der Malerei im Alltag? Naja, eigentlich habe ich nicht so viel Gelegenheit zum Draußenmalen, aber diese Woche war ich per Zufall schon zweimal in der Lüneburger Heide malen. Ich liebe es, draußen zu sitzen und ein Teil von dem zu werden, was ich mit Aquarellfarben auf mein Blatt bringe. Die Vögel zu hören und zu sehen und die Bienen summen zu hören – das ist mir vom ersten Mal Heidemalen noch sehr im Gedächtnis – und nette Menschen zu treffen, die auch die Natur genießen, das macht für mich das Draußenmalen zu einem richtigen und wichtigen Genuss. Auch, wenn es mal nicht gut läuft mit dem Einfangen des Eindrucks auf Papier, so wie gestern Abend. Eine Stunde vor Sonnenuntergang war es, wieder in der Heide. Ich hatte das falsche Papier aufgezogen, das bei der hohen Luftfeuchtigkeit einfach nicht getrocknet ist; dass die Feuchtigkeit abends aus der Wiese aufsteigt, hatte ich gar nicht

Heide am Abend, 2015.

bedacht; Insekten krabbelten auf mir herum; ich trug nur dünne Sandalen ohne Socken und hatte kalte Füße; und mir war auch sonst einfach kalt, weil mir wenigstens eine Lage Kleidung fehlte. Aber wie war es schön da auf der Heide im Sonnenuntergang! Die Luft war voller Vogelgesang (und Mückengezirre) und roch herb und herrlich. Die blühende Heide leuchtete schwach in der Dämmerung. Es war unglaublich ruhig. Diese Momente sind in den Bildern hinterher für mich enthalten und in meinem Herzen fest abgespeichert.

Weil ich solche einzigartigen Momente in der Natur erleben kann und in meiner Lebensplanung jetzt immer mehr Raum dafür habe, bin ich ein glücklicherer Mensch als zuvor. Und von diesem Glück möchte ich durch meine Workshops und vor allem diese Webseite ein wenig abgeben.

KünstlerInnen, die mich inspirieren:

  • Shari Blaukopf, eine wunderbare Aqaurellmalerin und Urban Sketcherin aus Montreal
  • Stephanie Bower, eine prima Architekturaquarellistin aus Seattle
  • Barbara Hirsekorn, beeindruckende Aquarellmalerin aus Kiel
  • Matt Smith, ein amerikanischer Ölmaler, der vor allem Landschaften malt
  • Tom Hughes, ein englischer Pleinair-Maler, der sehr gute kleinformatige Bilder malt
  • Liz Steel, eine ganz verrückte und wundervolle Urban Sketcherin aus Sydney
Teil 2: Wie ich Künstlerin wurde
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