Der vorletzte „normale“ Tag

Geht es Dir auch so? Ertappst Du Dich auch bei dem Gedanken, dass in zwei Tagen wieder alles anders wird? Voll komisch. Einerseits denke ich „schnell noch einmal faulenzen und die Ruhe genießen, bevor alle wieder ständig zu Hause sind“, andererseits muss ich unbedingt noch was schaffen. Und die Uhr tickt.

Ich sitze mit meinem Laptop am Arbeitsplatz, den ich zuvor sauber geschrubbt und -gewischt habe. Als bräuchte ich das für die zwei Arbeitstage! Mein ganzer Fokus ist darauf, Sachen fertig zu stellen, die mit dem Lütten zu Hause nicht so gut fertig zu stellen sind. Und dann, ab Mittwoch, ist wieder Familienzeit. Oje! Wie werden wir es dieses Mal hinkriegen? Im ersten Lockdown habe ich viel mit dem Lütten gebastelt; wir haben buntes Papier zerrissen und aufgeklebt, wir haben gemalt und wir haben Bücher gelesen. Das alles können wir wieder machen. Dazu kommt noch gemeinsam Kochen, Backen und Geschirrspülen. Und wir können natürlich immer nach draußen gehen, of course. Wir haben eigentlich ziemlich viele gute Optionen, und wenn ich jetzt so darüber nachdenke, dann wird es wohl gar nicht so schwer sein, die Stunden mit Kleinen sinnvoll zu verbringen. Das werden wir schaffen. Es wird so sein wie unsere Wochenenden. Eben entspannt Zeit mit der Familie verbringen.

Was an zwei Tagen in der Woche ok und schön ist, wird über einen Zeitraum von vier Wochen aber vielleicht etwas problematisch. Weil ich mich zwischen Familie und Kunst ungern zerteile und mich lieber ganz fokussiere, komme ich in der Familienzeit weder zum Malen, noch zum Kommunizieren über Kunst. Mein Blog, mein Instagram-Account, mein Podcast – das sind Orte, an denen ich nach draußen gehe mit meiner Arbeit und wo ich mich mit Anderen austausche. An den Wochenenden bin ich auf diese Plattformen aber quasi nicht zu verorten. Ich sende nichts, ich sehe auch wenig und ich tippe keine Antworten auf irgendwas, oder nur höchst selten. Manchmal fehlt mir der Austausch, aber oft vergesse ich all diese Dinge auch einfach. Dann liegt mein Handy wieder im Lautlos-Modus zu Hause herum, während wir durch den Wald toben. Am Abend sage ich mir dann, dass ich ja den Montag habe, an dem ich alle Fäden wieder aufnehmen kann, während der Kleine bei der Tagesmutter ist. So verpasse ich letztlich doch nichts und nehme an der großen Konversation über Kunst fortwährend teil. Und an den Wochentagen male ich auch, oder zumindest an vielen. Und deswegen denke ich jetzt, wie schade, wenn ich mehrere Wochen ohne Kunst machen und über Kunst reden sein müsste.

Natürlich kann ich Aktivität in die Abendstunden verlagern, so anstrengend das vielleicht auch sein mag. Oder mein Mann macht mal was allein mit dem Lütten. Das mag der Kleine zwar nicht immer, denn er liebt seine Mama über alles. Aber das geht schon. Ganz ehrlich, so schlimm ist das alles nicht, und wo ich jetzt schon ein paar Minuten in diese Richtung gedacht habe, will ich mich auch fast schelten für den inneren „ARRRRGGGGHHH“-Schrei. Es wird alles gehen und es wird auch alles gut werden. Aber ich bin auch ein bisschen traurig, dass es nun schon eher in die Ferien geht. Ich liebe meine Arbeit und schätze mich sehr glücklich, dass ich jetzt als Künstlerin tätig sein darf. Ich habe schon in vielen verschiedenen Jobs gearbeitet und kenne die Schattenseiten des Arbeitslebens, und jetzt ist eigentlich eine gute Zeit für mich, was die Arbeit angeht.

Aber Ferien sind Ferien! Und auf die haben wir uns doch als Kinder immer gefreut, oder? Vielleicht hilft es ja, diesen erneuten Lockdown als Ferienzeit umzudefinieren. Fangen die Weihnachtsferien eben sehr zeitig an. Weihnachtsgeschenke muss ich nun doch bestellen, obwohl ich das wegen des hohen CO2-Fußabdrucks nicht so gern mache. Diese Lösung ist also schon da. Bei den nun auch etwas steigenden Temperaturen können wir wieder Lagerfeuer und Stockbrot machen; heute oder morgen kann dann sogar noch unsere liebste Nachbarin oder ein befreundetes Ehepaar dazu kommen. Und danach machen wir halt für uns allein ein Lagerfeuer, so richtig schön mit Glühwein und Weihnachtsmusik aus dem Bluetooth-Lautsprecher. Der Lütte wird andere Kinder hoffentlich nicht so sehr vermissen; im ersten Lockdown schien er auch ohne sie zufrieden zu sein. Hoffen wir auf das Beste – für mich, für Dich, für uns alle!

Ich werde weiterhin versuchen, wenigstens einmal in der Woche einen Beitrag zu posten, um nicht so ganz in Vergessenheit zu geraten.

Und wie geht es Dir? Teilst Du Dich irgendwo in den sozialen Medien mit? Dann sag mir wo, damit ich mitverfolgen kann, wie Du durch die nächsten Wochen kommst. Auf Instagram werde ich hoffentlich hier und da mal eine Skizze oder ein Bild posten können. Noch sitze ich auf einem Haufen von Skizzen und Bildern, die ich noch nicht hochgeladen habe, so wie das Bild hier unten.

Ein Stechpalmenzeweig auf grundiertem Papier in A4-Format (ist noch zu haben!). Obwohl die Stechpalme giftig ist, habe ich der Versuchung nicht widerstehen können, ein paar Zweige für die Weihnachtsdekoration zu verwenden. Der Kleine kann die Zweige zum Glück nicht erreichen, und ich mag diesen Strauch einfach sehr.

Der vorletzte „normale“ Tag
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